Wichernkirche mit Gemeindezentrum
Das Gebiet am Philosophenwald und dem nach dem Krieg entstandenen, sogenannten Evangelischen Viertel war lange "Baugemeinde" der Luthergemeinde und wurde 1965 eine eigene Gemeinde. Seit 1961 wurde eine Kirche zwischen Philosophenwald und Motorpool-Gelände der US-Army geplant. Nach einjähriger Bauzeit wurde die Wichernkirche 1964 eingeweiht. 1979 erhielt sie eine Orgel, die von Gemeindemitgliedern aus einem Bausatz errichtet und der Orgelfirma offiziell abgenommen wurde. 2021 wurde die Kirche von der kirchlichen Bauaufsicht wegen Dachschäden gesperrt und durfte von der Gemeinde nicht mehr betreten werden. Seitdem feiert die Gemeinde Gottesdienst in der nahe katholischen Kirche Sankt Thomas Morus (Grünberger Straße). 2023 trennte sich die Gemeinde von Kirche, Turm und Gemeindehaus und verkaufte das Grundstück an den Investor des angrenzenden Neubaugebiets "Philosophenhöhe". 2024 erfolgte der Abriss der Kirche. 2025 wurde als letztes der Glockenturm abgerissen.
Die Dachkonstruktion der 1963 eingeweihten Kirche ist nach einem in 2021 von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Gutachten nicht mehr sicher. Seit vielen Jahren dringt durch das Dach Wasser in die Kirche ein und hat im Innern, vor allem aber im Dach bereits erhebliche Schäden hervorgerufen. Zuletzt sah sich die Gemeinde genötigt, die Orgel mit einem Zelt vor Feuchtigkeit zu schützen. Das Baugutachten hatte darüber hinaus aber ergeben, dass tragende Teile der hölzernen Dachkonstruktion durch jahrelangen Kontakt mit Feuchtigkeit porös geworden sind. Die Sicherheit des Daches bei Sturm oder Schneefall konnte nicht mehr gewährleistet werden.
Im Februar 2022 wurde das Gemeindehaus und der baulich darin integrierte Glockenturm verkauft. Das Gießener Bauunternehmen Depant wollte das Grundstück für die Erweiterung des angrenzenden Neubaugebiets Philosophenhöhe auf dem ehemaligen Motorpool-Areal der US-Army. Schließlich fiel im Sommer 2022 die Entscheidung zum Verkauf auch der Kirche. „Wir hätten die Reparatur des Kirchendaches weder finanzieren noch langfristig verantworten können“, sagt Brita Ratzel traurig. Gebäudedämmung und Heizungsanlage entsprechen nicht den heutigen Anforderungen an den Klimaschutz.
Stellen musste sich die Gemeinde auch dem gesellschaftlichen und kirchlichen Wandel. In den Sechzigern, den Baby-Boomer-Jahren, wuchsen Gesellschaft, Wirtschaft und die Kirche noch. „Doch seit zehn Jahren sind die Mitgliederzahlen stark rückläufig“, erklärt Brita Ratzel. „Unsere Aufgabe als Kirche ist es, Gottesdienste zu feiern, aber auch für Menschen da zu sein, und je weniger Zeit und Geld wir künftig in Gebäude stecken müssen, umso mehr bleibt für soziale und seelsorgerliche Aufgaben.“
Zunächst wurden Einrichtungsgegenstände aus dem Gemeindehaus verkauft oder an andere kirchliche und gemeinnützige Einrichtungen verschenkt. Seit dem Sommer 2023 trugen dann Ehrenamtliche wie Brita Ratzel zusammen mit der neuen Pfarrerin Janina Franz Stück für Stück aus der Kirche heraus. „So viel wie möglich wollten wir bewahren und die Wichernkirche auf diese Weise in der Erinnerung weiterleben lassen“, erzählt die junge Seelsorgerin.
Im April 2024 wurde die Wichernkirche abgerissen.
Im April 2025 wurde der Glockenturm abgerissen.